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Iran und die WM 2026: Zwischen Boykott, Verlegung und diplomatischem Chaos

Iran und die WM 2026

Drei Monate vor Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika steht die Teilnahme des Iran am Turnier auf der Kippe. Nach den US-israelischen Luftangriffen auf den Iran Ende Februar 2026 wechseln sich aus Teheran Boykottdrohungen und Kompromissvorschläge fast im Tagesrhythmus ab. Gleichzeitig sorgt das Schicksal der iranischen Frauen-Nationalmannschaft beim Asien Cup in Australien für zusätzliche Brisanz. Ein Überblick über eine Situation, die in der modernen Fußballgeschichte ohne Beispiel ist.

Sportlich qualifiziert – politisch blockiert

Iran hat sich am 25. März 2025 als eine der ersten Mannschaften überhaupt für die WM 2026 qualifiziert. In der dritten Runde der asiatischen Qualifikation belegte das Team mit 23 Punkten aus zehn Spielen den ersten Platz in Gruppe A, vor Usbekistan mit 21 Zählern. Es wäre die siebte WM-Endrunde für den Iran und die vierte Teilnahme in Folge.

Bei der Auslosung im Dezember 2025 landete Iran in Gruppe G – gemeinsam mit Belgien, Neuseeland und Ägypten. Alle drei Gruppenspiele wurden auf US-amerikanischem Boden angesetzt: zwei Partien am 15. und 21. Juni in Inglewood bei Los Angeles (gegen Neuseeland und Belgien) sowie ein Spiel am 26. Juni in Seattle gegen Ägypten. Genau diese Spielorte sind zum Problem geworden.

Die Eskalation: US-israelische Angriffe und die Folgen

Am 28. Februar 2026 begannen die USA gemeinsam mit Israel Luftangriffe auf den Iran – von Washington als „Operation Epic Fury" bezeichnet. Am ersten Tag der Angriffe wurde laut übereinstimmenden Berichten Ayatollah Ali Khamenei, der Oberste Führer des Iran, getötet. Sein Sohn Mojtaba Khamenei wurde als Nachfolger eingesetzt. Nach Angaben des iranischen UN-Botschafters verloren seit Beginn der Angriffe über 1.300 iranische Zivilisten ihr Leben, mehr als 12.000 wurden verletzt.

Als Reaktion ordnete die iranische Führung eine 40-tägige Staatstrauer an, die auch Teilnahmen an sportlichen Veranstaltungen untersagt. Die Nationalmannschaft kann deshalb im Länderspielfenster Ende März keine Testpartien bestreiten – geplant war ein Turnier in Jordanien gegen Nigeria und Costa Rica.

Sportminister schließt Teilnahme aus – und öffnet dann eine Hintertür

Irans Sportminister Ahmad Donyamali verkündete am 11. März im iranischen Staatsfernsehen einen klaren Standpunkt: „Da diese korrupte Regierung unseren Führer ermordet hat, haben wir unter allen Umständen keine Bedingungen, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen." Er verwies auf die tausenden Toten und erklärte, sein Land habe „definitiv keine Möglichkeit zu einer solchen Teilnahme".

Auch Mehdi Taj, Präsident des iranischen Fußballverbands, äußerte sich pessimistisch. „Welcher vernünftige Mensch würde seine Nationalmannschaft in die USA schicken?", fragte er im Staatsfernsehen. Beim FIFA-Planungstreffen für WM-Teilnehmer in Atlanta fehlte der iranische Verband.

Nur drei Tage nach der kategorischen Absage folgte allerdings eine überraschende Wende: Am 14. März bat Donyamali die FIFA, eine Verlegung der drei iranischen Gruppenspiele aus den USA nach Mexiko zu prüfen. Er wolle „alle sportlichen Aspekte sorgfältig nutzen, um eine Teilnahme doch noch zu ermöglichen". Eine Antwort der FIFA steht bislang aus.

Trumps widersprüchliche Signale

Die Kommunikation aus Washington verlief kaum geradliniger. FIFA-Präsident Gianni Infantino berichtete am 10. März nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump, dieser habe Irans Teilnahme ausdrücklich begrüßt und die Mannschaft „herzlich eingeladen".

Nur einen Tag später schrieb Trump auf Truth Social das Gegenteil: Die iranische Mannschaft sei zwar willkommen, aber er halte es „wirklich nicht für angemessen, dass sie dort sind – im Hinblick auf ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit." Die Aussage dürfte einer möglichen Einstufung als „höhere Gewalt" in die Hände spielen – und damit dem Iran bei einem Rückzug Strafzahlungen ersparen.

Ohnehin vergibt die USA generell keine regulären Visa an iranische Staatsbürger. Schon bei der WM-Auslosung im Dezember 2025 konnten iranische Verbandsfunktionäre einschließlich Taj nicht einreisen.

Das iranische Nationalteam widerspricht der Regierung

Bemerkenswert: Die iranische Nationalmannschaft selbst positionierte sich öffentlich gegen die Linie des Sportministers. In einem Instagram-Statement hieß es: „Die Weltmeisterschaft ist ein historisches und internationales Ereignis, und ihre Leitungsinstitution ist die FIFA – nicht ein einzelnes Land." Weiter schrieb das Team, niemand könne den Iran von der WM ausschließen. Das einzige Land, das ausgeschlossen werden könnte, sei vielmehr eines, „das lediglich den Titel ‚Gastgeber' trägt, aber nicht in der Lage ist, die Sicherheit der teilnehmenden Teams zu gewährleisten".

Die Sportschau wies allerdings darauf hin, dass auf dem offiziellen Teamaccount nichts erscheint, was nicht vom Regime abgesegnet wird. Die widersprüchlichen Botschaften aus Teheran – Boykottdrohung hier, Teilnahmeanspruch dort – dürften Teil einer Verhandlungsstrategie gegenüber der FIFA sein.

Drama um die Frauen-Nationalmannschaft

Parallel zur WM-Debatte sorgte das Schicksal der iranischen Frauen-Nationalmannschaft für weltweites Aufsehen. Das Team nahm Anfang März am Asien Cup in Australien teil und sang beim ersten Gruppenspiel gegen Südkorea demonstrativ nicht die iranische Nationalhymne mit – von vielen als Protest gegen das Regime interpretiert. In iranischen Staatsmedien wurden die Spielerinnen danach als „Verräterinnen" gebrandmarkt.

Nach dem Vorrundenaus beantragten sieben Spielerinnen Asyl in Australien und erhielten humanitäre Visa. Australiens Innenminister Tony Burke betonte, allen Teammitgliedern sei vor der Abreise Asyl angeboten worden – ohne Druck und ohne iranische Aufpasser. Bei der Abreise der übrigen Spielerinnen schilderten Journalisten des „Sydney Morning Herald" emotionale Szenen: Viele weinten, andere umarmten sich lange am Gate.

Inzwischen haben fünf der sieben Spielerinnen ihre Asylgesuche zurückgezogen – darunter auch Kapitänin Zahra Ghanbari, die in der Nacht auf Sonntag nach Malaysia flog. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass die Rückkehrer unter massivem Druck des Regimes stehen, das Familienangehörigen mit Repressalien drohe. Nur noch zwei Spielerinnen wollen in Australien bleiben.

FFI-Präsident Taj nutzte den Vorfall als weiteres Argument gegen die WM-Teilnahme: „Welcher vernünftige Mensch würde seine Nationalmannschaft in die USA schicken, wenn es bei der WM genauso politisch zugehen sollte wie in Australien?"

Was sagen FIFA und AFC?

Die FIFA hält sich bislang bedeckt. Auf Medienanfragen – etwa der Sportschau – antwortete der Weltverband nicht. Laut ESPN-Quellen beobachtet die FIFA die Lage, sieht aber derzeit keinen Handlungsbedarf. Als nächster Meilenstein gilt der FIFA-Kongress am 30. April in Vancouver, bei dem eine Positionierung erwartet wird.

Deutlich aktiver zeigt sich der asiatische Fußballverband AFC. Generalsekretär Windsor John erklärte am 16. März bei einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur: „Nach unserem Kenntnisstand wird Iran spielen." Es gebe „keine offizielle Information" über einen Rückzug. Der AFC plane weiterhin mit den Gruppenspielen in Los Angeles und Seattle.

FIFA-Regularien: Zwischen Strafe und höherer Gewalt

Sollte der Iran doch offiziell zurückziehen, greifen die WM-Regularien der FIFA. Artikel 6 regelt die Konsequenzen. Bei einem Rückzug mehr als 30 Tage vor Turnierbeginn droht eine Mindeststrafe von 250.000 Schweizer Franken, bei weniger als 30 Tagen das Doppelte. Hinzu käme die Rückzahlung aller erhaltenen Vorbereitungsgelder in Höhe von rund 1,5 Millionen US-Dollar sowie der Verlust des Gruppenphase-Preisgeldes von mindestens 9 Millionen Dollar. Im schlimmsten Fall könnte der Iran auch von der WM 2030 ausgeschlossen werden.

Allerdings enthält Klausel 6.5 eine Regelung für „höhere Gewalt", bei der die FIFA nach eigenem Ermessen entscheidet. Angesichts eines laufenden Krieges und der Trump-Aussage zu Sicherheitsrisiken halten Experten es für unwahrscheinlich, dass die FIFA Disziplinarstrafen verhängt. Trumps eigene Warnung, die Teilnahme sei „nicht angemessen", könnte dem Iran sogar als Argument für eine straffreie Force-Majeure-Einstufung dienen.

Die Option Mexiko: Realistisch oder Wunschdenken?

Die FIFA-Regularien erlauben es dem Weltverband, Spiele „aus jedem Grund nach eigenem Ermessen" zu verlegen – auch aus Sicherheitsgründen. Rein theoretisch könnten Irans Gruppenspiele also in mexikanische Stadien verlegt werden, wo das Turnier ebenfalls stattfindet. Guadalajara, Mexiko-Stadt und Monterrey sind als WM-Austragungsorte vorgesehen.

Ob die FIFA diesen Weg beschreitet, ist fraglich. Eine Verlegung wäre organisatorisch machbar, würde aber einen heiklen Präzedenzfall schaffen: Ein Land, das mit dem Gastgeber im Krieg liegt, erhält Sonderbedingungen auf dessen Kosten. Die FIFA hat sich zu dem Vorschlag bislang nicht geäußert.

Wer könnte nachrücken?

Sollte Iran endgültig ausscheiden, stehen der FIFA mehrere Optionen offen. Laut Artikel 6.7 entscheidet der Weltverband „nach eigenem Ermessen" über einen Ersatz. Die wahrscheinlichsten Nachrücker:

Irak hat sich als nächstplatziertes asiatisches Team für die interkontinentalen Playoffs qualifiziert. Am 31. März trifft der Irak in Monterrey auf den Sieger aus Bolivien und Suriname. Trainer Graham Arnold hat bereits angedeutet, bei einem Iran-Rückzug direkt nachrücken zu können. Das Problem: Auch der Irak leidet unter den Kriegsfolgen. Der irakische Luftraum ist bis zum 1. April gesperrt, viele Spieler und Staff-Mitglieder können nicht ausreisen. Arnold selbst sitzt in Dubai fest. Der irakische Verband hat die FIFA gebeten, das Playoff-Spiel zu verlegen.

Vereinigte Arabische Emirate sind im AFC-Playoff am Irak gescheitert und wären als nächstqualifiziertes asiatisches Team ein logischer Nachrücker. Die VAE sollen laut Berichten bereits bei der FIFA vorstellig geworden sein.

Dreiergruppe: Die FIFA könnte Irans Spiele auch ersatzlos streichen und Gruppe G mit nur drei Teams (Belgien, Neuseeland, Ägypten) fortführen.

Konföderation-übergreifender Ersatz: Theoretisch wäre auch ein Team aus einem anderen Verband möglich – etwa Italien als höchstplatziertes nicht-qualifiziertes europäisches Team. Die FIFA ist an keine Konföderation gebunden.

Stand 16. März 2026: Alles offen

Iran hat die WM-Teilnahme bis heute nicht offiziell zurückgezogen. Der Sportminister, der vor fünf Tagen noch jede Beteiligung kategorisch ausschloss, verhandelt inzwischen über eine Spielverlegung nach Mexiko. Das Nationalteam besteht auf seinem Startrecht. Die FIFA wartet ab, der AFC plant weiter mit Iran.

Was feststeht: Ein Rückzug nach vollzogener Qualifikation wäre in der modernen Fußballgeschichte beispiellos. Zuletzt geschah das bei der WM 1950, als Schottland, die Türkei, Indien und Frankreich ihre Teilnahme absagten.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. US-Präsident Trump hat die Dauer des Militärkonflikts auf vier bis sechs Wochen geschätzt. Sollte sich die Lage bis Ende April stabilisieren, könnte der FIFA-Kongress in Vancouver eine Lösung bringen. Eskaliert der Konflikt weiter, dürfte Irans WM-Traum endgültig platzen – ob durch Boykott, Rückzug oder schlichten Mangel an Vorbereitungszeit.