CS2 hat im vierten Quartal 2024 mit 64% des gesamten eSport-Wettvolumens dominiert – ein Anteil, den kein klassischer Sport annähernd in einem einzelnen Markt erreicht. Das LoL-WM-Finale desselben Jahres hatte mehr gleichzeitige Zuschauer als die meisten Sportgroßereignisse der Welt, und 19% aller eSport-Wettvolumina dieses Quartals gingen allein auf diese eine Meisterschaft zurück. Wer eSport Wetten noch immer als Randerscheinung einordnet, hat den Markt schlicht verpasst.
Was eSport von klassischen Sportwetten unterscheidet, ist nicht nur das Spielformat. Das Geschehen ist schneller, Roster-Änderungen passieren häufiger als in jeder Profi-Liga, und die verfügbare Datenlage für fundierte Analysen ist bei einigen Titeln heute besser als bei vielen Fußball-Ligen der zweiten Reihe. Gleichzeitig erfordern eSport Wetten ein Grundverständnis des jeweiligen Spiels – wer das mitbringt, findet Märkte, die noch nicht so effizient ausbalanciert sind wie Fußball-Top-Ligen.
eSport Wetten im Überblick
Organisierter Wettkampf in Computerspielen auf Profi-Niveau – das ist eSport. Dahinter stehen professionelle Teams mit Trainerstab, Analysten, Vereinsstrukturen und Verträgen, die sich von klassischen Profisport-Verträgen kaum unterscheiden. Wer zum ersten Mal mit eSport Wetten anfängt, sollte einen Unterschied klar haben: Virtuelle Sportwetten basieren auf Zufallsgeneratoren, die simulierte Ergebnisse erzeugen. Bei eSport spielen echte Menschen gegeneinander, mit echter Tagesform, echten Schwächen und echten Überraschungen.
Für Tipper hat das einen handfesten Vorteil. Auf Plattformen wie HLTV für CS2 oder Liquipedia für League of Legends stehen Map-Win-Rates, Head-to-Head-Statistiken, Spieler-Ratings und vollständige Match-Historien frei zur Verfügung – für Turniere auf jedem Niveau. Beim Fußball kommt man an vergleichbare Daten der dritten Liga oft nur mit kostenpflichtigen Zugängen. Diese Transparenz macht eSports Wetten für alle interessant, die bereit sind, sich einzulesen.
Bei weniger populären eSport-Titeln und kleineren Turnieren sind Quoten häufig weniger scharf kalkuliert als bei Fußball-Bundesliga-Spielen. Wer ein Spiel gut kennt und gezielt auf bestimmte Märkte achtet, findet dort reale Chancen auf Value Bets. Häufig begegnet man dabei dem Begriff MOBA – Multiplayer Online Battle Arena –, der Spielgenres wie League of Legends oder Dota 2 beschreibt, bei denen zwei Teams auf einer Karte eine gegnerische Basis zerstören müssen.
Hürden gibt es trotzdem. Wer eSport Wetten sinnvoll platzieren will, braucht zumindest ein Basisverständnis des jeweiligen Titels. Wetten ohne Spielkenntnis ist in diesem Bereich besonders riskant – Wettmärkte sind spezifischer und Quoten weniger intuitiv als bei Fußball.
Die wichtigsten eSport-Titel für Wetten
CS2, League of Legends, Dota 2, Valorant und EA Sports FC machen 2025 zusammen rund 80% des regulierten eSport-Wettvolumens aus. Nicht jeder dieser Titel ist gleich gut für Wetten geeignet – verfügbare Datenlage, Turnierstruktur und Markttiefe unterscheiden sich erheblich voneinander. Wer die Unterschiede kennt, kann gezielt wählen, in welchem Titel er Zeit in die Analyse investiert.
CS2 – Marktführer mit bester Datenlage
Kein anderer eSport-Titel erzeugt mehr Wettvolumen als Counter-Strike 2. 64% des gesamten eSport-Wettvolumens im Q4 2024 entfielen auf CS2 – ein Wert, der die Marktstellung des Titels klar illustriert. Das Spielprinzip ist überschaubar: Zwei Teams à fünf Spieler treten auf verschiedenen Karten gegeneinander an, eine Seite versucht eine Bombe zu legen, die andere sie zu entschärfen. Kurze Rundenzeiten und klare Entscheidungsmomente machen CS2 besonders attraktiv für Live-Wetten – kein Wunder, dass 46% aller CS2-Einsätze live platziert werden. Runden sind innerhalb von zwei Minuten entschieden, das Momentum kann sich in einer Halbzeit mehrfach drehen, und wer das Spiel live verfolgt, sieht Wendepunkte, bevor Quoten reagieren.
HLTV.org ist die primäre Statistikquelle für fundierte CS2-Analysen: Map-Win-Rates nach Karte, Head-to-Head-Bilanz zwischen Teams, individuelle Spieler-Ratings pro Turnier. Die Datendichte ist im eSport einmalig. Turnierstruktur: Zwei Majors pro Jahr bilden die Spitze der CS2-Welt, dazu kommen die ganzjährigen BLAST-Serien und ESL-Events – Wettangebote für CS2 gibt es damit praktisch das ganze Jahr.
League of Legends – Ganzjährige Ligen und globale Reichweite
~130 Millionen monatliche Spieler weltweit – League of Legends ist das populärste MOBA der Welt, und das Wettangebot spiegelt das wider. Das LoL-WM-Finale 2024 allein machte 19% des gesamten eSport-Wettvolumens in Q4 aus.
Attraktiv für regelmäßige eSports Wetten ist die Turnierstruktur: Parallel laufen LEC (Europa), LCK (Korea), LCS (Nordamerika) und LPL (China), was bedeutet, dass fast ganzjährig hochklassige Spiele im Wettangebot stehen. Wer gezielt wetten will, sollte sich die Draft-Phase anschauen: Welche Champions ein Team wählt, verrät die taktische Ausrichtung für das anstehende Spiel – informierte Tipper können das nutzen, um Spezialwetten wie First Tower oder First Blood besser einzuschätzen. Statistiken liefert Liquipedia mit vollständiger Match-History.
Dota 2 – Strategische Tiefe und Rekordpreisgelder
The International 2019 hatte ein Preisgeld von 34,33 Millionen US-Dollar – bis heute das höchste in der Geschichte eines eSport-Turniers. Dota 2 hat einen festen Platz im eSport-Wettmarkt, auch wenn das Volumen hinter CS2 und LoL zurückbleibt. Die Meta-Komplexität ist höher als bei den meisten anderen Titeln – für Tipper mit echter Spielerfahrung entsteht daraus eine Nische: Wer die Taktiken kennt, kann Quoten einordnen, die für Außenstehende schwer zu bewerten sind.
Valorant – Wachsende Szene mit Value-Chancen
Valorant ist ein taktischer Shooter von Riot Games, mechanisch ähnlich wie CS2, aber mit einer deutlich jüngeren Profi-Szene. Genau das schafft eine Nische: Weil die Meta sich schneller wandelt und Sportwetten-Anbieter weniger historische Daten haben als bei CS2, sind Quoten bei Valorant häufiger falsch kalkuliert. Wer die aktuelle Meta kennt und die Stärken der Teams einschätzen kann, findet hier öfter Wetten mit echtem Value als bei etablierteren Titeln.
Die Valorant Champions Tour (VCT) ist die Hauptturnierserie, mit dem VCT Champions im August/September als Saisonhöhepunkt. Das Angebot wächst von Saison zu Saison.
EA Sports FC, Rocket League und weitere Titel
EA Sports FC bietet Tippern mit Fußball-Hintergrundwissen einen direkten Einstieg – die Teams und Spielernamen sind bekannt, die Spielmechanik überschaubar. Rocket League hat kleinere Wettmärkte, aber über Totzahl-Wetten interessante Spezialoptionen. Overwatch 2 (OWCS), Rainbow Six Siege und StarCraft 2 sind kleinere Szenen, bei denen Quoten teils deutlich weniger scharf gestellt werden. StarCraft 2 hat eine eigene Wettdynamik: Das Eins-gegen-eins-Format macht Tagesform und psychologische Faktoren besonders relevant, während Teamdynamiken komplett wegfallen.
Welche Wettmärkte gibt es im eSport?
eSport-Wettmärkte unterscheiden sich je nach Titel deutlich voneinander, aber ein Merkmal gilt überall: Unentschieden gibt es nicht. Alle Siegerwetten im eSport sind Zwei-Weg-Märkte – ein Aspekt, der die grundsätzliche Quotenlogik verändert. Wer zum ersten Mal auf CS2 oder League of Legends wettet, sollte außerdem das Best-of-Format kennen: BO1 bedeutet, eine einzige Map entscheidet das gesamte Match. BO3 und BO5 sind Serien, bei denen Gewinne von zwei bzw. drei Karten für den Matchsieg notwendig sind – das Format beeinflusst jeden Wettmarkt, den man platzieren kann.
Siegerwetten, Turniersieger und das Best-of-Format
Match-Winner ist der am häufigsten angebotene Markt und für Einsteiger der unkomplizierteste Einstieg in eSport Wetten. Man wettet auf den Sieger des Matches, identisch zu Moneyline-Wetten im klassischen Sport. Der Preis, den Tipper für diesen Einfachheitsbonus zahlen, liegt im Format.
Ein BO1 ist das Hochrisiko-Format. Selbst klare Favoriten verlieren 30 bis 40% ihrer BO1-Matches, weil eine einzelne Karte gegen die eigenen Präferenzen und für den Gegner gut sein kann. Wer auf einen CS2-Topfavoriten in einem BO1 setzt, wettet nicht nur auf Spielstärke – er wettet auch auf den Map-Pool, auf Tagesform und auf das bisschen Glück, das im Coinflip einer einzelnen Karte steckt. BO3 und BO5 glätten diese Schwankungen deutlich: Über drei oder fünf Maps bekommt die überlegene Mannschaft mehr Möglichkeiten, sich durchzusetzen, und Ausreißer werden statistisch nivelliert.
Langzeitwetten auf den Turniersieger funktionieren wie klassische Outrights: lange Laufzeit, hohe Quoten, gebundenes Kapital bis zum Turnierende. Rund um Majors und Weltmeisterschaften steigt das Interesse an Outright-Wetten – gleichzeitig werden Quoten auf Topteams schärfer, weil mehr Freizeit-Tipper einsteigen und das Volumen steigt. Wer früh vor Beginn eines Turniers auf einen Außenseiter setzt, bekommt oft bessere Quoten als kurz vor dem ersten Spieltag. Das ist kein Geheimnis, sondern schlicht die Logik wachsenden Marktvolumens.
Map-Wetten und Over/Under-Märkte
Map-Wetten sind ein Markt, den viele klassische Sportwetten-Tipper unterschätzen. Innerhalb eines BO3-Matches kann man auf den Sieger einer einzelnen Karte setzen – und dabei eine komplett andere Quotenlogik vorfinden als bei der Gesamtmatch-Wette. Ein Team kann Gesamtfavorit sein, auf einer bestimmten Map aber klarer Außenseiter.
Das lässt sich systematisch nutzen. HLTV veröffentlicht für jedes CS2-Team die Map-Win-Rates pro Karte, aufgeschlüsselt nach CT-Seite und T-Seite. Wer diese Statistiken kennt und den Spielplan eines Wettkampfs liest, kann Situationen identifizieren, in denen die Map-Quote einen anderen Favoriten impliziert als die Match-Quote. Ein favorisiertes Team kann auf seiner schwachen Karte trotzdem nur 40% Win-Rate haben – eine Quote von 2,20 oder höher auf den Außenseiter auf genau dieser Karte ist dann keine irrationale Wette mehr. Wer sich die Zeit nimmt, Map-Pools beider Teams zu vergleichen, hat damit strukturell mehr Informationen als ein Sportwetten-Anbieter, der primär die Gesamtmatch-Statistiken einpreist.
Über/Unter-Wetten beziehen sich auf die Gesamtzahl der gespielten Maps in einem BO3. Die typische Linie liegt bei 2,5: Man wettet darauf, ob das Match in zwei Maps entschieden wird (Under) oder drei Maps gespielt werden (Over). Teams mit ähnlichem Niveau produzieren öfter 3-Map-Serien, weil ausgeglichene Begegnungen selten vorzeitig enden. Wenn Statistiken zeigen, dass zwei Teams sich historisch immer knappe Serien geliefert haben, kann Over 2,5 Maps auch bei scheinbar ungleichen Matches eine fundierte Wette sein. Exakter Karten-Score ist ein weiterer Spezialmarkt, der nur bei manchen Anbietern angeboten wird: Man wettet auf das genaue Ergebnis, z.B. 2:0 oder 2:1 in einem BO3.
Spezialwetten – First Blood, Pistol Round und Spieler-Props
Spezialwetten wachsen im eSport-Angebot kontinuierlich. First Blood (wer erzielt den ersten Kill in einem CS2-Match), First Tower (League of Legends), Pistol Round Winner, First Dragon – all diese Märkte sind verfügbar, und bei vielen Sportwetten-Anbietern kommen stetig neue dazu.
Wer diese Märkte nutzen will, braucht Statistiken. Ein Team mit nachweislich hoher First-Blood-Rate in League of Legends wird diese Stärke in der Quote nicht immer korrekt widergespiegelt finden – besonders bei Plattformen, die eSport eher als Nebengeschäft betreiben. Esportsinsider hat das analysiert: Anbieter-Margen auf Spezialwetten liegen im Schnitt deutlich höher als bei Standard-Märkten, aber die Trefferquote für Tipper mit echter Datengrundlage ist ebenfalls höher als bei breit gehandelten Märkten.
Wichtig dabei: First Blood korreliert nicht zwingend mit dem Matchsieg. Ein Team kann jede First-Blood-Wette gewinnen und trotzdem das Match verlieren. Spezialwetten sind isolierte Märkte und müssen auch so behandelt werden – wer sie als Absicherung für eine Match-Winner-Wette einsetzt, versteht ihren Charakter falsch. Cash-Out ist bei vielen Wettanbietern auch für eSport-Spezialwetten verfügbar; gerade bei Spieler-Props in laufenden Matches lässt sich damit reagieren, wenn sich das Spielgeschehen anders entwickelt als erwartet.
eSport Live-Wetten nutzen
46% aller CS2-Einsätze werden live platziert. Diese Zahl spiegelt wider, was eSport von fast allen anderen Bereichen der Sportwetten unterscheidet: Matches werden auf Twitch und YouTube Gaming in Echtzeit gestreamt, kostenlos, ohne Verzögerung, für jeden. Wer ein CS2-Match live verfolgt, sieht Momentum-Wechsel, taktische Anpassungen und individuelle Spielerleistungen in Echtzeit – Quoten reagieren darauf, aber mit einer Verzögerung von wenigen Sekunden bis mehreren Minuten. In diesem Fenster liegt das eigentliche Potenzial von eSport Live-Wetten.
Ein konkretes Szenario: Ein CS2-Team verliert die erste Halbzeit mit 3:9. Auf dem Papier ist das ein klares Defizit, und die Live-Quote auf dieses Team steigt entsprechend stark an. Wer das Match wirklich verfolgt hat, weiß vielleicht, dass fast alle dieser Runden knapp waren, dass das führende Team in mehreren Clutch-Situationen Glück hatte und dass das unterlegene Team strukturell keine Schwächen gezeigt hat. Die Quote spiegelt den Zwischenstand wider – aber nicht die tatsächliche Spielqualität. Genau das ist der Informationsvorsprung, den Live-Wetten bieten.
Bei League of Legends ist die Situation etwas anders als bei CS2. Matches laufen über 30 bis 45 Minuten, es gibt keine klar abgegrenzten Rundenstruktur, und einzelne starke Spielzüge – ein gelungener Teamfight, ein Dragon-Steal in letzter Sekunde – können das Momentum eines kompletten Spiels kippen. Wer Live-Quoten auf LoL nutzen will, braucht ein Verständnis dafür, was diese Momente spieltechnisch bedeuten, nicht nur wie sie sich im Score niederschlagen. Gold-Vorsprung und Turm-Count sind wichtige Live-Indikatoren, die öffentlich im Stream sichtbar sind und vor der Quotenreaktion der Anbieter erkennbar werden.
Nicht alle Live-Märkte sind gleich sinnvoll. First-Blood-Wetten live, also erst nach Beginn einer Runde zu platzieren, sind in der Praxis kaum umsetzbar – dafür ist das Zeitfenster zu knapp. Map-Winner-Wetten live zu aktualisieren, nachdem eine Karte begonnen hat und sich ein Team klar in Führung gesetzt hat, ist realistischer. Wer klar sieht, dass ein Team auf seiner stärksten Map mit 10:3 führt und die Quote auf den Gegner noch bei 2,40 steht, hat einen verwertbaren Informationsvorsprung.
Klares Prinzip: eSport Live-Wetten machen nur Sinn, wenn man das Spiel tatsächlich live verfolgt. Wetten auf ein Match, das man nicht sieht, ist blind – die Daten, die diese Wetten rechtfertigen würden, sind das Live-Geschehen selbst. Wer auf Basis reiner Vor-Match-Statistiken live wettet, zahlt für engere Quoten ohne dafür einen echten Vorteil zu haben.
Wie analysiert man eSport-Teams richtig?
Kein Werkzeug ersetzt fundiertes Spielverständnis – das gilt im eSport noch ausgeprägter als im klassischen Sport. Wer auf CS2 wettet, ohne je eine Map gesehen zu haben, wettet auf Zahlen, die er nicht einordnen kann. Trotzdem gibt es drei Dimensionen, die strukturierte eSport-Analysen tragen: Team-Statistiken und die richtigen Datenquellen, Roster-Wechsel und ihre Auswirkungen sowie Meta-Verständnis und Patch-Analyse. Tipper, die alle drei berücksichtigen, haben einen klaren Vorteil gegenüber denen, die auf Fanpräferenz oder Tabellenstand schauen.
Team-Statistiken und die richtigen Datenquellen
HLTV.org ist für CS2 das, was Opta für Fußball ist – nur freier zugänglich. Map-Win-Rates aufgeschlüsselt nach Karte und Seite, Head-to-Head-Bilanz gegen spezifische Gegner, individuelle Spieler-Ratings pro Event, Teamperformance im Verlauf von Turnieren. Was HLTV liefert, geht tiefer als das, was die meisten Wettanbieter vollständig in ihre Quotenkalkulation einbeziehen – genau dort liegt das Potenzial.
Liquipedia übernimmt für League of Legends, Dota 2 und Valorant eine ähnliche Funktion: Turnierergebnisse, vollständige Roster-Historien, Match-Ergebnisse aufgeschlüsselt nach Format und Gegner. Wer die Roster-History eines LoL-Teams liest, sieht sofort, wie häufig das Team seine Aufstellung verändert hat – ein früher Hinweis auf mögliche Instabilität, die in Quoten noch nicht eingepreist sein muss.
Head-to-Head-Statistiken liefern dabei oft überraschende Erkenntnisse. Manche Teams schlagen bestimmte Gegner historisch überdurchschnittlich gut, auch wenn die aktuelle Formtabelle das nicht vermuten lässt. Spielstile, die gut zusammenpassen oder systematisch gegeneinander funktionieren, taktische Anpassungen über Monate – diese Muster sind in den Daten sichtbar, man muss sie nur lesen.
Formkurve: Die Ergebnisse der letzten vier bis sechs Wochen gewichten bei eSport-Teams deutlich stärker als Langzeitbilanzen. Phasen direkt nach Roster-Wechseln sollten separat betrachtet werden.
Roster-Wechsel und ihre Auswirkungen auf Wettentscheidungen
Transferfenster existieren im eSport kaum – Wechsel passieren quasi quartalsweise, manchmal mitten in der Saison. Ein Team, das gestern noch top war, kann nach dem Abgang eines zentralen Spielers innerhalb von zwei Wochen ins Mittelfeld fallen.
Besonders kritisch ist der Verlust eines IGL – In-Game Leader, also des taktischen Anführers, der im Match Positionen, Kaufentscheidungen und taktische Anpassungen in Echtzeit koordiniert. Teams, die einen starken IGL verlieren, wirken oft wochenlang desorganisiert, selbst wenn die übrigen Spieler individuell stark sind. Umgekehrt kann ein qualitativ hochwertiger Neuzugang eine Mannschaft grundlegend transformieren – in beide Richtungen, und schneller als in traditionellen Sportarten.
Das Timing ist dabei entscheidend für eSport Wetten. Quoten reagieren auf Roster-Wechsel regelmäßig mit Verzögerung. Wer früh informiert ist – und das sind alle, die Teamwebseiten und offizielle Social-Media-Kanäle der Teams verfolgen –, findet in den ersten Wochen nach einem Wechsel häufig falsch bewertete Quoten. Teams werden noch auf ihrem alten Niveau quotiert, obwohl ein Schlüsselspieler weg ist. Oder ein Neuzugang bringt mehr Qualität, als Anbieter eingepreist haben. Liquipedia zeigt Roster-Wechsel in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntgabe, was diesen Informationsvorsprung für jeden zugänglich macht.
Teams zwei bis vier Wochen nach einem größeren Wechsel zu beobachten, bevor man mit fundierter Überzeugung wettet, ist keine Vorsicht aus dem Lehrbuch – es ist konsequente Analyse. In dieser Übergangszeit fehlen schlicht belastbare Daten zum neuen Roster.
Meta-Verständnis und Patch-Analyse
Meta – oder Metagame – beschreibt den dominanten Spielstil und die optimalen Strategien in einem bestimmten Spielzustand. Bei League of Legends heißt das: Welche Champions sind nach dem aktuellen Patch stärker, welche Teamkompositionen funktionieren gerade. Bei CS2 geht es um Map-Präferenzen und Waffen-Balancing. Bei Dota 2 um Hero-Picks und Draft-Prioritäten.
Patches verändern die Meta regelmäßig. Riot Games aktualisiert LoL alle zwei Wochen, Valve schiebt CS2-Updates unregelmäßig, aber kontinuierlich. Teams, die ihre gesamte Strategie um einen bestimmten Champion oder ein Waffen-Setup aufgebaut haben, geraten nach einem Nerf-Patch oft erheblich ins Straucheln – und zwar bevor Sportwetten-Anbieter das vollständig in Quoten einpreisen.
Quoten reagieren auf Meta-Verschiebungen typischerweise mit ein bis zwei Wochen Verzögerung. Wer einen Patch liest, versteht, welche Teams davon profitieren und welche leiden, und dann auf Basis dieser Einschätzung wettet, hat ein zeitlich begrenztes Fenster für Value-Wetten. Patch-Notes sind auf den offiziellen Seiten der Spiele öffentlich zugänglich – riot.com für LoL und Valorant, store.steampowered.com für CS2. Tiefes Spielwissen braucht man dafür nicht zwingend: Patch-Notes kommunizieren klar, welcher Champion gebufft oder generft wurde – wer dann nachschlägt, welche Teams diesen Champion bevorzugen, kann die Auswirkungen grob einschätzen. Für CS2 gilt analoges: Map-Rotationen und Waffen-Anpassungen sind oft direkt mit den Map-Win-Rates verknüpft, die HLTV öffentlich zeigt.
eSport Turnierkalender und Wettrhythmus
Einen einheitlichen Saisonkalender wie die Bundesliga oder die NBA hat eSport nicht. Jeder Titel folgt seiner eigenen Turnierstruktur, mit eigenen Höhepunkten und ruhigeren Phasen, in denen wenig hochklassiges Wettvolumen stattfindet. Wer das nicht kennt, wundert sich, warum es manchmal wochenlang kaum relevante eSport-Events gibt – und dann plötzlich drei Große auf einmal stattfinden.
League of Legends teilt das Jahr in Frühjahr-Saison und Sommer-Saison, mit der Weltmeisterschaft im Herbst als Saisonhöhepunkt. Durch die parallel laufenden regionalen Ligen – LEC, LCK, LCS und LPL – gibt es aber ganzjährig hochklassige Spiele im Wettangebot. CS2 dreht sich um die zwei Valve Majors pro Jahr (Frühjahr und Herbst), dazu kommen die ganzjährigen BLAST-Serien und ESL-Events. Das Shanghai Major machte allein 28% des CS2-Wettvolumens im Q4 2024 aus – ein klarer Hinweis, wie sehr Majors das Volumen konzentrieren.
Zeitzonenproblem: Die LPL in China spielt morgens mitteleuropäischer Zeit, US-Ligen ebenfalls früh oder mittags. CS2-Events in Amerika starten oft um 19:00 Uhr MESZ oder später – für europäische Tipper, die Live-Wetten planen, sollten Anstoßzeiten immer vorher geprüft werden.
Hochphasen rund um Worlds und Majors sind aus Wett-Sicht zweischneidig. Mehr Wettvolumen bedeutet mehr Freizeit-Tipper und damit schärfer gestellte Quoten auf populäre Teams. Außenseiter werden in diesen Phasen oft überbezahlt, weil die Masse auf bekannte Namen setzt und Quoten das widerspiegeln – wer gezielt sucht, findet dort öfter Value als während regulärer Ligaphasen. Off-Season nach Worlds und nach CS2-Saison-Ende sind gleichzeitig die Phasen mit den meisten Roster-Wechseln. In dieser Zeit ist fundiertes Wetten schwieriger, weil Kader-Historien neu bewertet werden müssen.
Titel | Wichtigstes Turnier | Typischer Zeitraum | Format |
|---|---|---|---|
CS2 | Valve Major | Frühjahr + Herbst | BO3/BO5 |
League of Legends | LoL Worlds | Oktober/November | BO5 |
Dota 2 | The International | Sommer/Herbst | BO3/BO5 |
Valorant | VCT Champions | August/September | BO3/BO5 |
EA Sports FC | EA Sports FC Esports | Ganzjährig (Ligen) | variabel |
