Tunesien und Japan starteten in die WM 2026 mit zwei Spielen, die unterschiedlicher kaum hätten ausfallen können. Tunesien ging gegen Schweden mit 1:5 unter und entließ kurz darauf seinen Trainer. Japan holte am selben Spieltag gegen die Niederlande zweimal einen Rückstand auf und rettete in der 89. Minute ein 2:2 gegen einen Mitfavoriten. Am zweiten Spieltag treffen diese beiden Mannschaften nun direkt aufeinander.
Für Tunesien ist es kein normales Gruppenspiel mehr, sondern vielleicht die letzte Chance: Eine weitere Niederlage, und das Turnier ist praktisch vorbei. Japan dagegen hätte mit einem Sieg fast schon die K.-o.-Runde sicher. Ein klares Gefälle also, und doch wird es genau hier für einen Tipp interessant.
Tunesien mit einem misslungenem WM-Auftakt
Beim 1:5 gegen Schweden in Monterrey leistete Tunesien rund eine Halbzeit lang Gegenwehr, ehe die Abwehr die Ordnung verlor. Den einzigen Treffer erzielte Omar Rekik noch vor der Pause per Kopf, vorbereitet durch eine Flanke von Hannibal Mejbri. Danach traf nur noch Schweden, am Ende fünfmal.
Das Ergebnis steht nicht für sich allein. Schon die Vorbereitung lief mies: ein 0:5 in Belgien, dort mit einer Roten Karte und am Ende nur einem einzigen Torschuss, davor ein 0:1 in Österreich. In den letzten fünf Spielen kommt Tunesien auf magere zwei eigene Tore bei elf Gegentoren. Die Offensive ist seit Wochen harmlos, und gegen Schweden war sie es wieder.
So eindeutig die Bilanz wirkt, ein Detail spricht gegen ein vorschnelles Urteil. Im März, unter dem inzwischen freigestellten Trainer, hielt Tunesien zweimal die Null: 0:0 gegen Kanada und 1:0 gegen Haiti. Damals stand ein tiefer, kompakter Abwehrverbund, der wenig zuließ. Kapitän Ellyes Skhiri und der spielstarke Hannibal Mejbri bilden im Zentrum weiterhin eine ordentliche Achse. Die Frage ist nur, welche Version dieser Mannschaft gegen Japan aufläuft: die kompakte aus dem Frühjahr oder die eingebrochene aus Brüssel und Monterrey.
Tunesien wechselt den Trainer mitten im Turnier
Nach dem 1:5 zog der tunesische Verband die Reißleine und trennte sich von Sabri Lamouchi. Damit ist er der erste Trainer, der bei dieser WM noch während des Turniers entlassen wurde. Lamouchi war erst im Januar gekommen und hatte gerade einmal fünf Spiele auf dem Posten.
Übernehmen soll auf Interimsbasis Mondher Kebaier. Für einen Tipp auf dieses Spiel bedeutet das vor allem Unsicherheit. Ein neuer Mann an der Seitenlinie greift oft zu einer anderen Aufstellung und einer anderen Grundordnung, und wie die Mannschaft auf den Bruch reagiert, lässt sich vorher schwer abschätzen. Ein Trainerwechsel kann eine verunsicherte Elf kurzfristig befreien oder das Chaos vergrößern. Beides ist gegen Japan denkbar.
Japan zeigt Comeback-Qualitäten
Ein Punkt gegen einen WM-Favoriten, und das nach zweimaligem Rückstand: Japans Auftakt war stärker, als das 2:2 auf den ersten Blick aussieht. Virgil van Dijk brachte die Niederlande kurz nach der Pause in Führung, Keito Nakamura glich postwendend aus. Als Crysencio Summerville erneut traf, sah es nach einer Niederlage aus, doch Daichi Kamada rettete in der 89. Minute den Ausgleich. Eine Mannschaft, die zweimal hinten liegt und trotzdem nicht einbricht, sagt einiges über ihre Stabilität.
Der Punkt passt ins Bild der letzten Monate. In der Vorbereitung schlug Japan England mit 1:0 in Wembley, als erste asiatische Mannschaft überhaupt an diesem Ort, dazu kamen ein 1:0 gegen Schottland, ein 1:0 gegen Island und ein 3:0 gegen Bolivien. Macht acht eigene Tore und nur zwei Gegentore in fünf Spielen, beide gegen die Niederlande. Die Elf von Hajime Moriyasu ist schwer zu schlagen.
Auffällig ist das Muster dahinter. Drei dieser fünf Siege endeten 1:0, Japan entscheidet Partien lieber über Kontrolle und einen späten, sauberen Treffer als über ein Torfestival. Über die Flügel kommen die Impulse von Takefusa Kubo und Ritsu Doan, im Zentrum zieht Ao Tanaka die Fäden. Ob diese Spielanlage gegen einen tief stehenden Gegner wie Tunesien aufgeht, ist die eigentliche Frage dieses Spiels.
Japan kommt ohne Mitoma und Endo aus
Das 2:2 wiegt umso schwerer, weil Japan auf zwei wichtige Spieler verzichten musste. Flügelstürmer Kaoru Mitoma fiel vor dem Turnier mit einer Oberschenkelverletzung aus und steht gar nicht erst im Kader. Kurz vor dem ersten Spiel traf es dann Kapitän Wataru Endo, der wegen einer Fußverletzung passen musste und anschließend seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.
Für Tunesien klingt das nach einem Vorteil, ist aber nur die halbe Wahrheit. Japans Kader gilt als der tiefste in der Geschichte des Landes, und gegen die Niederlande wurden die Ausfälle nicht zum Problem. Trotzdem fehlt mit Mitoma genau der Dribbler, der eine tief stehende Abwehrreihe aufbrechen kann, und auf so eine Reihe trifft Japan gegen Tunesien mit hoher Wahrscheinlichkeit.
Wo entscheidet sich Tunesien gegen Japan?
Das Spiel läuft auf eine klare Frage hinaus: Knackt Japans Ballbesitz einen tief stehenden Gegner, oder beißt sich die Mannschaft die Zähne aus? Tunesien wird kaum offen auftreten. Nach dem 1:5 und unter einem neuen Trainer ist der naheliegende Plan, hinten dicht zu machen und auf Konter zu lauern. Genau gegen solche Abwehrreihen tut sich Japan schwer, wie die drei knappen 1:0-Siege aus der Vorbereitung zeigen.
Die meiste Last liegt auf den Flügeln. Takefusa Kubo und Ritsu Doan müssen die Räume schaffen, die ein massierter Strafraum sonst zumacht. Ohne den verletzten Mitoma fehlt der eine Dribbler, der so eine Reihe im Eins-gegen-eins aufreißt, also wird Japan mehr über schnelles Kombinationsspiel und kluge Bewegung kommen müssen als über das pure Tempo eines Außenstürmers.
Im Zentrum wird es fast persönlich. Mit Ritsu Doan und Ellyes Skhiri stehen sich zwei Vereinskollegen von Eintracht Frankfurt gegenüber, dazu Hannibal Mejbri auf der einen und Ao Tanaka als Taktgeber auf der anderen Seite. Wer hier den Rhythmus bestimmt, bestimmt das Spiel. Gewinnt Tunesien die Zweikämpfe im Mittelfeld, bleibt Japan vor der Mauer hängen. Verliert es sie, rollt Welle um Welle auf die tunesische Abwehr zu, wo Ayase Ueda im Sturm auf seine Vorlagen wartet.
Tunesien - Japan Wett-Tipps
Der Tipp lautet: Sieg Japan. Alles in diesem Spiel deutet in eine Richtung. Die formstärkere und stabilere Mannschaft trifft auf einen Gegner, der sportlich am Boden liegt und sich obendrein mitten im Turnier von seinem Trainer getrennt hat.
Was für einen Sieg Japans spricht
Die Form ist das stärkste Argument, und sie ist erdrückend. Japan holte zum Auftakt gegen die Niederlande zweimal einen Rückstand auf und rettete in der 89. Minute ein 2:2 gegen einen der Turnierfavoriten. In den fünf jüngsten Spielen stehen acht eigene Tore und nur zwei Gegentore, beide gegen Oranje. Dazu kommen Siege, die Eindruck machen: ein 1:0 in Wembley gegen England als erste asiatische Mannschaft überhaupt, ein 1:0 gegen Schottland, ein 1:0 gegen Island und ein 3:0 gegen Bolivien. Diese Mannschaft verliert kaum noch und kassiert fast nie Gegentore.
Tunesien steht für das genaue Gegenteil. Das 1:5 gegen Schweden war kein Ausrutscher, sondern die Fortsetzung einer Talfahrt: ein 0:5 in Belgien mit Platzverweis und nur einem einzigen Torschuss, dazu ganze zwei eigene Tore in den letzten fünf Spielen. Die Offensive ist harmlos, die Abwehr zuletzt löchrig, und der Rauswurf des Trainers nach dem ersten Spiel zeigt, wie groß das Chaos gerade ist. Eine Mannschaft, die mitten im Turnier ihren Trainer entlässt, ist selten bereit für einen Coup gegen einen Topgegner.
Die jüngere Geschichte und die Tabelle legen noch eins drauf. 2002 und 2023 gewann Japan jeweils mit 2:0, die Mannschaft weiß also genau, wie man Tunesien schlägt. Und der Anreiz ist riesig: Mit einem Sieg hätte Japan vier Punkte und den Einzug in die K.-o.-Runde so gut wie sicher, während ein abgeschlagener Tabellenletzter ums nackte Weiterkommen spielt und sich kaum noch Fehler erlauben darf. Eine Elf mit dieser Form, diesem Selbstvertrauen und diesem Klassenunterschied lässt einen Außenseiter in dieser Verfassung nur selten davonkommen.
Fazit und Prognose
Der wahrscheinlichste Spielverlauf ist schnell skizziert: Japan hat den Ball, Tunesien steht tief und versucht, über Konter oder Standards zu stechen. Dieses Muster führt bei Japan selten zu Kantersiegen, sondern zu knappen Ergebnissen, oft entschieden durch ein einziges Tor. Ein 1:0 oder 2:0 für Japan passt deutlich besser zu dieser Mannschaft als ein Schützenfest. Dass Tunesien unter Zwang und mit neuem Trainer noch einmal alles in die Defensive wirft, macht ein torarmes Spiel zusätzlich wahrscheinlich.
Eine Annahme solltest du nicht treffen: dass aus dem tunesischen 1:5 gegen Schweden automatisch ein leichter Abend für Japan wird. Tunesien hat im Frühjahr gezeigt, dass es kompakt verteidigen kann, und ein einziger Treffer aus dem Nichts würde reichen, um aus dem erwarteten Sieg ein Remis zu machen. Die Form, die jüngere Bilanz und der Tabellendruck sprechen jedoch klar für Japan und ich gehe davon aus, dass sie sich hier am Ende auch durchsetzen werden.
