Sieben Tore auf der einen Seite, ein einziges auf der anderen, und trotzdem gehen Deutschland und die Elfenbeinküste mit der gleichen Punktzahl in ihr WM-Spiel. Beide haben ihren Auftakt gewonnen, das eine Mal mit 7:1 gegen Curaçao, das andere Mal mit einem 1:0 gegen ein Ecuador, das vorher 19 Spiele lang nicht verloren hatte. Wer vor dem zweiten Spieltag der Gruppe E nach einem Tipp sucht, steht damit vor einem Problem, das die nackte Tabelle verschweigt.
Das 7:1 macht Deutschland zum Favoriten, keine Frage. Nur sagt ein Kantersieg gegen den schwächsten Gegner der Gruppe wenig darüber, wie das Team gegen eine Abwehr besteht, die gerade ein ganzes Spiel zu null über die Zeit gebracht hat. An dieser Frage hängt, ob der naheliegende Tipp auf Deutschland so sicher ist, wie er aussieht, oder ob die Elfenbeinküste deutlich mehr ist als eine Randnotiz.
Wie souverän war Deutschlands 7:1 zum WM-Auftakt?
Sieben Tore zum Auftakt, das klingt nach einer Ansage. Deutschland zerlegte Curaçao mit 7:1, und die Treffer verteilten sich über die halbe Elf: Felix Nmecha eröffnete früh mit einem überragendem Schuss, Nico Schlotterbeck und Kai Havertz per Foulelfmeter trafen bis zur Pause, nach dem Wechsel folgten Jamal Musiala, Nathaniel Brown, Deniz Undav und noch einmal Havertz in der Schlussphase. Ein Schützenfest, an dem fast die ganze Offensive beteiligt war.
Nur: Curaçao war der schwächste Gegner, den die Gruppe zu bieten hat. Die Mannschaft ist WM-Neuling und damit die kleinste Nation, die jemals bei einer WM gespielt hat. Gegen einen so passiven Gegner fallen sieben Tore leichter, als sie gegen eine kompakte Abwehr je fallen würden. Für die Frage, wie Deutschland gegen die Elfenbeinküste auftritt, ist das 7:1 deshalb nur die halbe Information.
Nagelsmann begann mit Neuer im Tor und einer Viererkette aus Kimmich, Tah, Schlotterbeck und Brown, davor Aleksandar Pavlović und Nmecha. Die Offensive um Leroy Sané, Musiala, Wirtz und Havertz sorgte für genug Tempo und Kombinationen, um Curaçao auseinanderzuspielen. Gegen einen Gegner, der tiefer und disziplinierter steht, braucht genau diese Reihe mehr Geduld.
Die Elfenbeinküste startet mit einem Arbeitssieg
Das 1:0 der Elfenbeinküste gegen Ecuador sah lange nach einer Nullnummer aus, bis Amad Diallo zuschlug. Der Flügelstürmer von Manchester United kam in der 56. Minute ins Spiel und traf in der 90. Minute zum Sieg, vorbereitet von einem Vorstoß Wilfried Singos über rechts. Davor war drei Mal das Aluminium im Weg, ein Tor wollte lange nicht fallen.
Wichtiger als das eine eigene Tor ist für diese Partie die Null hinten. Die Elf von Emerse Faé verteidigte über 90 Minuten so diszipliniert, dass Ecuador kaum zu klaren Gelegenheiten kam.
Erfahrung bringt dieser Kader reichlich mit. Kapitän Franck Kessié steht bei über 100 Länderspielen, dazu kommen Nicolas Pépé, Wilfried Singo, Seko Fofana und Ibrahim Sangaré. Das ist kein zusammengewürfelter Außenseiter, sondern eine eingespielte Einheit. Eine Abwehr, die ein ganzes Spiel zu null übersteht, kann auch Deutschland am Samstag das Leben schwer machen.
Was der 1:0-Sieg über Ecuador wirklich wert ist
Ein 1:0 wirkt mickrig neben einem 7:1. Der Gegner macht den Unterschied. Ecuador war vor dem Turnier 19 Spiele in Folge ungeschlagen, und in der Startelf in Philadelphia standen Profis europäischer Spitzenklubs: Moisés Caicedo von Chelsea, Willian Pacho aus Paris, Piero Hincapié von Arsenal, dazu Rekordtorschütze Enner Valencia.
Diese Serie hat die Elfenbeinküste beendet. Wer eine so formstarke Mannschaft zu null hält und am Ende schlägt, leistet mehr als jemand, der gegen Curaçao sieben Tore schießt. Genau diese Einordnung fehlt bei den meisten Vorschauen, die nur auf Deutschlands Torzahl starren.
Die Schlüsselduelle: Deutschland vs. Elfenbeinküste
Das Spiel entscheidet sich zuerst dort, wo Deutschlands Offensive auf die Abwehr der Elfenbeinküste trifft. Florian Wirtz und Jamal Musiala suchen die Räume zwischen den Linien, davor verteidigen mit Wilfried Singo und Emmanuel Agbadou zwei Spieler, die gegen Ecuador kaum etwas zuließen. Gegen Curaçao fand Deutschland diese Räume mühelos, gegen eine Abwehr, die schon zu null gespielt hat, wird das zäher.
Im Zentrum wartet die nächste Aufgabe. Franck Kessié und Seko Fofana sind zweikampfstark und erfahren, gewohnt an das Tempo europäischer Topligen.
Gefährlich wird die Elfenbeinküste vor allem im Umschalten. Ihr Siegtreffer gegen Ecuador fiel nach einem schnellen Vorstoß über rechts, und mit Yan Diomande und dem eingewechselten Amad Diallo hat sie Spieler, die solche Konter zu Ende spielen. Deutschland muss aufpassen, nach eigenen Ballverlusten nicht offen zu stehen, gerade wenn Kimmich und die Außenverteidiger weit aufgerückt sind.
Am meisten hängt am ersten Tor. Geht Deutschland früh in Führung, muss die Elfenbeinküste ihr defensives Konzept aufgeben und wird anfälliger. Trifft dagegen der Außenseiter zuerst, bekommt Deutschland das Spiel, das ihm am wenigsten liegt: ein enges, in dem ein tief stehender Gegner verteidigt und auf Konter lauert.
Deutschland - Elfenbeinküste Wett-Tipp
Mein Tipp für dieses Spiel ist eine 1X2-Wette auf einen Sieg von Deutschland. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Das stärkste Argument ist der Kader. Deutschland stellt von der Torwartposition bis in die Spitze Spieler europäischer Spitzenklubs, und die Breite erlaubt Nagelsmann, auch von der Bank Qualität nachzulegen. Gegen Curaçao kamen sieben Tore zusammen, und auch wenn dieses Ergebnis gegen den Gruppenletzten fiel, bleibt eine Offensive mit Wirtz, Musiala, Sané und Havertz für jede Abwehr ein Problem.
Dazu kommt die Form vom ersten Spieltag. Sechs verschiedene Spieler trafen beim 7:1, Havertz sogar doppelt, das spricht für eine Offensive, die nicht von einem einzelnen Knipser abhängt. Auch wenn das Ergebnis gegen den Gruppenletzten Curaçao fiel, zeigt es eine Mannschaft, die vor dem Tor abgeklärt ist und ihre Chancen nutzt. Mit diesem Rhythmus und dem Selbstvertrauen aus sieben Toren geht Deutschland in das Spiel.
Auch der Gegner spricht für den Tipp. Die Elfenbeinküste hat ihren Auftakt zwar gewonnen, das einzige Tor fiel aber erst in der 90. Minute durch den eingewechselten Amad Diallo. Eine Offensive, die sich gegen Ecuador so schwertat, muss gegen Deutschland fast perfekt verteidigen, um überhaupt etwas mitzunehmen. Hinzu kommt das Gefälle auf der großen Bühne: Deutschland ist viermaliger Weltmeister, die Elfenbeinküste kam bei ihren bisherigen WM-Teilnahmen nie über die Gruppenphase hinaus.
Ganz ohne Risiko ist kein Tipp: Trifft die Elfenbeinküste früh und verteidigt danach ihren Vorsprung, kann der Sieg des Favoriten schwierig werden. Das sehe ich jedoch nicht kommen, da Deutschland bislang solide Verteidigt hat und mit Manuel Neuer einen der erfahrensten Torhüter im Kasten hat.
Fazit und Prognose zu Deutschland gegen die Elfenbeinküste
Die wahrscheinlichste Geschichte dieses Spiels ist ein Sieg Deutschlands, aber ein kontrollierter statt eines weiteren Schützenfests. Gegen eine Abwehr, die schon Ecuador zu null hielt, wird Deutschland geduldiger spielen müssen, und ein Ergebnis in der Größenordnung 2:0 oder 2:1 passt besser zum erwarteten Verlauf als ein zweites 7:1. Die individuelle Klasse in der Offensive sollte jedoch über 90 Minuten den Unterschied machen.
