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WM 2026: Ronaldos letzte Chance auf den Titel

Ronaldo - WM - 2026

Cristiano Ronaldo hat selbst gesagt, dass die WM 2026 seine letzte sein wird. Mit 41 Jahren ist das keine kokette Ankündigung, sondern eine Frage des Alters: Bei der nächsten Endrunde 2030 wäre er 45. An diesem Turnier hängt damit das Einzige, was in seiner Sammlung bis heute fehlt, der Weltmeistertitel. Fünf Teilnahmen liegen hinter ihm, 2026 ist die sechste, und gewonnen hat Portugal den Pokal noch nie.

Die Geschichte von der letzten Chance schreibt sich fast von selbst. Schwieriger ist die nüchterne Frage dahinter: Reicht Ronaldos Leistung mit 41 noch für eine tragende Rolle, und ist Portugal stark genug für den Titel, oder klammert sich die Mannschaft an einen Namen? Die Antworten auf diese Fragen bekommst du in diesem Artikel.

Ronaldos letzter fehlender Titel

An Zahlen mangelt es nicht. 226 Länderspiele und 143 Tore für Portugal stehen zu Buche, beides Bestmarken, an die so schnell niemand herankommt. Bei Weltmeisterschaften kommt er auf 22 Spiele und 8 Tore, und mit seinem Elfmeter gegen Ghana 2022 wurde er zum ersten Spieler überhaupt, der bei fünf verschiedenen Endrunden getroffen hat. Wer in dieser Bilanz eine Lücke sucht, findet genau eine: den Titel.

Diese Lücke erklärt, warum die WM für ihn schwerer wiegt als jeder persönliche Rekord. Mit Portugal hat er durchaus gewonnen, zuletzt die Nations League, deren Titel das Team derzeit hält. Den WM-Pokal aber hat die Nation nie geholt, und ein einzelner Spieler kann ihn nicht allein erzwingen. Darin liegt der Unterschied zu seinen Klubtiteln und Torrekorden: Die hingen an seiner eigenen Leistung, der Weltmeistertitel hängt an einer ganzen Mannschaft und an einem Monat Turnierform. Auch seine WM-Ausbeute ist überschaubar, denn 8 Treffer in 22 Spielen sind für seine sonstigen Maßstäbe wenig. Keiner seiner fünf Anläufe brachte den Pokal, und genau das soll der sechste ändern.

Dass Lionel Messi 2022 ausgerechnet diesen Titel gewann, schärft den Vergleich in der Öffentlichkeit. An Ronaldos eigener Bilanz ändert das nichts, es erklärt nur, warum der fehlende Weltmeistertitel so oft zur Sprache kommt.

So gut ist Ronaldo mit 41 noch

Die Klubsaison spricht erst einmal für ihn. In der Saison 2025/26 traf Ronaldo für Al-Nassr 28-mal in 30 Ligaspielen, dazu zwei Vorlagen, bei 2610 Minuten auf dem Platz. Fast ein Tor pro Spiel, mit 41, über eine ganze Saison ist keine Bilanz, die man bei einem Spieler am Karriereende erwartet. Al-Nassr wurde am Saisonende Meister.

In der WM-Qualifikation hielt er sein Niveau, allerdings mit einem Beigeschmack. Fünf Spiele, fünf Tore, 372 Minuten, dazu 31 Torabschlüsse. Er war in den wichtigen Partien präsent und hat getroffen. Auffällig ist nur die Zahl der Versuche: 31 Abschlüsse für fünf Tore heißt, er sucht den Schuss oft und braucht viele davon. Das passt zu seiner Rolle als Vollstrecker, deutet aber auch an, dass die Treffsicherheit nicht mehr die von vor zehn Jahren ist.

Zwei Dinge dämpfen die Euphorie. Erstens fielen die 28 Tore in der saudischen Liga, nicht gegen die Abwehrreihen, die bei einer WM warten; ein Achtelfinale gegen eine Spitzenmannschaft ist eine andere Prüfung als 30 Ligaspiele. Zweitens zeigt der Blick auf die Minuten, dass er gesteuert wird: 372 Minuten in fünf Qualifikationsspielen sind im Schnitt rund 74 pro Partie, also selten die vollen 90. Ein absolutes Urteil, er sei "zu alt" oder "weiter Weltklasse", trägt keine dieser Zahlen. Sie sagen eher: Er trifft noch, aber unter kontrollierter Belastung und gegen Gegner unterhalb des WM-Niveaus.

Wettbewerb

Spiele

Tore

Minuten

Abschlüsse

Saudi Pro League 2025/26

30

28

2610

k. A.

Europäische WM-Qualifikation 2025

5

5

372

31

Sieben mögliche Spiele in gut vier Wochen über die volle Distanz sind bei dieser Belastungssteuerung unwahrscheinlich. Für ausgewählte Phasen bleibt er gefährlich, als Dauerläufer über das ganze Turnier eher nicht.

Ist Ronaldo für Portugal eher Stütze oder Risiko?

Als Stütze bringt Ronaldo zwei Dinge mit, die zählen. Er ist Kapitän und übernimmt die Elfmeter, und er hat in der Qualifikation fünfmal getroffen, war also auch mit 41 ein Faktor vor dem Tor. Eine Mannschaft, die ein enges Spiel über einen Strafstoß oder einen ruhenden Ball entscheiden muss, hat mit ihm einen erfahrenen Schützen. Sein Name bindet zudem Gegenspieler, was Räume für die Schnelleren neben ihm öffnen kann.

Das Risiko zeigte sich in der Qualifikation sehr konkret. Gegen Irland sah Ronaldo nach Videobeweis die Rote Karte, für einen Ellbogen gegen Dara O'Shea, und es war seine erste im Trikot der A-Nationalmannschaft. Er fehlte im letzten Gruppenspiel, das Portugal ohne ihn mit 9:1 gegen Armenien gewann und damit den Gruppensieg sicherte. Die Sperre wurde am Ende so angesetzt, dass er zum WM-Auftakt wieder spielen darf. Auf die Verfügbarkeit kann sich Portugal also verlassen, ein zweiter solcher Moment im Turnier wäre aber teuer. Dazu kommt die sportliche Bindung: 31 Abschlüsse bei fünf Toren zeigen, dass viel Offensive über ihn läuft, und die dosierten 372 Minuten heißen, dass seine Einsätze gesteuert werden müssen.

Portugals Kader bietet vorne genug Alternativen, von Rafael Leão über Pedro Neto bis João Félix und Gonçalo Ramos. Aber die Erfahrung die Christiano Ronaldo mitbringt hat keiner von ihnen, weshalb ich davon ausgehe, dass Ronaldo zwar viel Spielzeit bekommt, aber Roberto Martinez auch viel rotieren wird. Die Alternativen können einen frischen Wind rein bringen und sind insgesamt andere Spielertypen die Martinez andere Möglichkeiten bieten.

Vier Punkte lohnen den Blick, bevor man Ronaldos Rolle einschätzt:

  • Startelf oder Joker: Beginnt er, oder kommt er gezielt für einzelne Phasen?
  • Minuten: Hält die Steuerung von rund 74 Minuten pro Spiel auch über sieben mögliche Turnierspiele?
  • Abschlusslast: Bündelt sich die Offensive weiter auf ihn, oder verteilt Martínez sie breiter?
  • Tempo vorne: Sitzt mit ihm ein schnellerer Angreifer auf der Bank, der gegen tiefe Abwehrreihen helfen würde?

Wie stark ist der Kader von Portugal

Streicht man Ronaldos Namen aus der Gleichung, bleibt trotzdem eine der stärksten Mannschaften des Turniers übrig. Portugal steht auf Rang 5 der FIFA-Weltrangliste und gehört damit zu den ersten fünf der Weltrangliste, hinter Frankreich, Spanien, Argentinien und England. Das ist keine Schlagzeile, sondern das Ergebnis von Jahren konstanter Resultate. Die Mannschaft ist außerdem amtierender Sieger der Nations League.

Die Qualifikation untermauert das, mit einer Einschränkung. In Gruppe F holte Portugal 13 Punkte aus sechs Spielen, bei vier Siegen, einem Remis und einer Niederlage, und 20:7 Toren. Das ist ein klarer Gruppensieg und eine starke Offensive. Die Gegner hießen aber Ungarn, Irland und Armenien, also kein Maßstab für ein WM-Halbfinale. Und die 0:2-Niederlage in Dublin zeigte, dass auch diese Portugiesen an einem schwachen Abend stolpern können. Ein Gruppensieg gegen dieses Feld sagt mehr über die Pflichtaufgabe als über die Kür.

Die eigentliche Stärke liegt in der Breite. Im Mittelfeld stehen Vitinha, Bruno Fernandes, Bernardo Silva und João Neves, in der Abwehr Rúben Dias und Nuno Mendes, im Tor Diogo Costa, und in der Offensive warten neben Ronaldo noch Rafael Leão, Pedro Neto, João Félix und Gonçalo Ramos. Das ist ein Kader, der einen 41-Jährigen tragen kann, statt von ihm getragen werden zu müssen. Wer fragt, ob Portugal nur wegen Ronaldo im Gespräch ist, übersieht genau diese Tiefe.

Portugal und die Konkurrenz in der Gruppe K

Auf dem Papier ist die Gruppe K machbar. Portugal trifft auf Kolumbien, die DR Kongo und Usbekistan, und die FIFA-Weltrangliste sortiert das Feld eindeutig: Portugal auf Rang 5, Kolumbien auf 13, die DR Kongo auf 46, Usbekistan um Rang 50.

Der einzige ernsthafte Gegner heißt Kolumbien. Ein Team auf Rang 13 ist keine Pflichtaufgabe, sondern ein echter Prüfstein, vor allem wenn es um den Gruppensieg geht. Die DR Kongo kehrt nach Jahren auf die WM-Bühne zurück und schaffte das erst über die interkontinentalen Playoffs, mit einem Sieg nach Verlängerung gegen Jamaika. Usbekistan ist zum ersten Mal überhaupt bei einer Endrunde dabei und entsprechend schwer einzuschätzen. Gegen Portugal sind die Usbeken klarer Außenseiter, gefährlich werden können sie eher den beiden anderen. Die Rangfolge der Gruppe ist damit klar, die Reihenfolge dahinter offen.

Team

FIFA-Rang

Status

Portugal

5

Gruppenfavorit

Kolumbien

13

stärkster Gegner

DR Kongo

46

über Playoff qualifiziert

Usbekistan

rund 50

WM-Debütant

Das WM-Format mit 48 Teams macht den Gruppensieg weniger existenziell als früher, weil neben den zwei Gruppenbesten auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen. Für eine Mannschaft von Portugals Format ist das Erreichen der K.-o.-Phase die Erwartung, nicht das Ziel. Die Stolperstelle ist deshalb seltener ein einzelner Gegner als ein schwacher Abend, so wie das 0:2 in Dublin während der Qualifikation. Wer auf Portugal setzt, sollte die Gruppe als Pflicht einordnen, den Gruppensieg dagegen nicht als gesetzt.

Wie realistisch ist der Titel für Portugal?

Zwischen "möglich" und "wahrscheinlich" liegt bei dieser Frage die ganze Antwort. Möglich ist der Titel ohne Zweifel: Portugal ist die Nummer 5 der Welt, hat seine Gruppe souverän gewonnen und einen Kader, der mit den besten mithalten kann. Eine Mannschaft mit diesen Voraussetzungen gehört zum erweiterten Kreis der Anwärter. Wahrscheinlich ist der Titel deshalb noch lange nicht.

Vor Portugal stehen in der Weltrangliste Frankreich, Spanien, Argentinien und England, knapp dahinter lauert Brasilien. Bei 48 Teams und 104 Spielen ist der Weg zum Titel länger als je zuvor, und in der K.-o.-Phase entscheiden häufig Kleinigkeiten: ein Elfmeter, ein Platzverweis, ein Pfostenschuss. Es gibt viele Modelle, die einer Mannschaft wie Portugal eine Titelchance im niedrigen zweistelligen Prozentbereich oder darunter zuweisen, doch jede dieser Zahlen hängt am jeweiligen Modell. Eine feste Prozentzahl nenne ich hier bewusst nicht als Tatsache.

Stabil sind vor dem Anpfiff nur wenige Größen: die Rangliste, die Kaderqualität, die Bilanz aus der Qualifikation. Alles andere entscheidet sich erst im Turnier. Genau dort liegen die größten Unbekannten für Portugal. Hält Ronaldos Körper sieben Spiele in vier Wochen aus? Übersteht die Mannschaft das erste echte K.-o.-Spiel, und bleibt sie von Sperren und Verletzungen verschont? Den weiteren Turnierweg kennt vor dem ersten Spieltag niemand, und ein ausgedachter Pfad über mögliche Gegner wäre genau die Heldengeschichte, die mit Wahrscheinlichkeit nichts zu tun hat.

Ehrlich bleibt nur diese Antwort: Portugal kann Weltmeister werden, der nüchterne Platz in der Rangordnung der Favoriten liegt aber hinter Frankreich, Spanien und Co., nicht davor. Aber auch wenn Portugal nicht als klarer Favorit in dieses Turnier geht, haben sie die Qualität im Kader, um an einem guten Tag jeden zu schlagen.