Norwegen hat zum WM-Auftakt 4:1 gegen den Irak gewonnen, Senegal 1:3 gegen Frankreich verloren. In der Nacht zu Dienstag treffen damit zwei Mannschaften aufeinander, die nach demselben ersten Spieltag in völlig unterschiedlicher Stimmung sind: Norwegen führt die Gruppe an und macht mit einem zweiten Sieg einen großen Schritt Richtung Achtelfinale, Senegal steht schon mit dem Rücken zur Wand.
Für einen Tipp ist die Partie gerade deshalb reizvoll. Auf der einen Seite ein Norwegen, das mit Haaland viermal getroffen hat, auf der anderen ein Senegal mit großen Namen in der Offensive, der gegen Frankreich aber bis in die Nachspielzeit kein Tor zustande brachte. Wie offen wird ein Spiel, in dem der eine aus einer Position der Stärke spielt und der andere gewinnen muss?
Norwegens souveräner Auftritt gegen den Irak
Ein 4:1 zum Auftakt sieht nach einer Machtdemonstration aus, und tatsächlich gab Norwegen gegen den Irak in Foxborough klar den Ton an. Vor 63.106 Zuschauern im Boston-Stadion stand zur Pause bereits ein 2:1, am Ende hieß es 4:1. Wer nur auf das Ergebnis schaut, bekommt allerdings ein verzerrtes Bild, denn der Irak war ein sehr schwacher Prüfstein. Genau diese Einordnung entscheidet, wie viel das 4:1 für das Spiel gegen Senegal wirklich wert ist.
Erling Haaland war der Mann des Abends. Der norwegische Stürmer traf in der 29. und der 43. Minute, dazwischen glich der Irak durch Ayman Hussein kurz aus. Nach der Pause erhöhte der frühere Bundesligaprofi Leo Østigård in der 76. Minute, in der Nachspielzeit fiel noch ein Eigentor zum Endstand. Um Haaland herum stehen mit Kapitän Martin Ødegaard, Alexander Sørloth und Antonio Nusa weitere gefährliche Angreifer, die jede Abwehr fordern.
Diese Treffsicherheit ist echt und kein Zufallsprodukt eines guten Abends. Norwegen hat in der Qualifikation reihenweise getroffen und diese Linie zum Auftakt fortgesetzt.
Ein klarer Sieg, aber gegen einen harmlosen Gegner
Die Zahlen hinter dem 4:1 zeigen ein einseitiges Spiel. Bei den erwarteten Toren, im Fußball als Expected Goals oder xG bekannt und ein Maß für die Qualität der Torchancen, lag Norwegen bei 2,52, der Irak nur bei 0,80. Noch deutlicher wird es bei den Abschlüssen: Der Irak brachte über 90 Minuten gerade einmal einen Schuss aufs Tor und kam auf rund 37 bis 39 Prozent Ballbesitz. Gegen einen so passiven Gegner vier Tore zu schießen, ist kein Beleg dafür, dass es gegen jeden so gut läuft.
Ein Detail sollte man trotzdem nicht übersehen. Norwegen kassierte trotz aller Überlegenheit ein Gegentor. Eine Abwehr, die gegen einen offensiv derart harmlosen Irak nicht ohne Treffer bleibt, kann auch gegen Senegal wackeln, sobald dort mehr Qualität auf den Platz kommt.
Was nimmt Senegal aus dem 1:3 gegen Frankreich mit?
Senegal reiste mit einem Kader voller Spieler aus den europäischen Topligen an und hielt gegen Frankreich lange mutig dagegen. Am Ende stand trotzdem ein 1:3, und das mit einem unangenehmen Beigeschmack: Bis tief in die Nachspielzeit gelang der Mannschaft kein eigenes Tor. Was Senegal aus diesem Auftakt mitnimmt, ist deshalb zwiespältig.
Zur Pause stand es 0:0, und lange hielt Senegal die Partie offen. Dann schlug Frankreich zu: Kylian Mbappé traf in der 66. Minute, Bradley Barcola erhöhte in der 82. Erst in der Nachspielzeit gelang Ibrahim Mbaye in der 90.+5 der Anschluss zum 1:2, ehe Mbappé mit dem Schlusspfiff zum 1:3 nachlegte. Der eigene Treffer fiel also in einer Phase, in der das Spiel längst entschieden war.
Viel Qualität, zu wenig nach vorne
Die Offensivnamen klingen gefährlich. Mit Sadio Mané, Nicolas Jackson, Ismaïla Sarr und Iliman Ndiaye hat Trainer Pape Thiaw Angreifer, die ihr Geld in starken europäischen Ligen verdienen. Gegen Frankreich kam davon wenig an: Bei rund 47 Prozent Ballbesitz brachte Senegal nur zwei seiner sechs Abschlüsse aufs Tor und kam auf magere 0,53 erwartete Tore. Couragiert war der Auftritt, durchschlagend nicht.
Nach der Niederlage steht Senegal unter Zugzwang. Mit null Punkten nach einem Spiel führt an einem Sieg gegen Norwegen kaum ein Weg vorbei, und das verändert die Herangehensweise. Eine Mannschaft, die gewinnen muss, kann sich nicht hinten einigeln, sondern muss selbst das Spiel machen.
Die Schlüsselduelle zwischen Norwegen und Senegal
Drei Zonen entscheiden über dieses Spiel, und sie hängen alle daran, dass Senegal gewinnen muss und Norwegen das nicht.
Haaland gegen Senegals Innenverteidigung
Der größte Brocken für Senegal heißt Erling Haaland. Im Zentrum der senegalesischen Abwehr stehen mit Kalidou Koulibaly und Moussa Niakhaté zwei erfahrene Verteidiger, doch gegen Frankreich fingen sie sich drei Tore. Kommt Haaland, unterstützt von Alexander Sørloth, in ähnliche Abschlusspositionen, wird es für sie eng. Je weiter Senegal aufrückt, um selbst Treffer zu erzwingen, desto mehr Raum entsteht hinter dieser Abwehr. Und dort ist Haaland am gefährlichsten.
Senegals Offensive gegen eine wacklige Abwehr
Auf der Gegenseite trifft Senegals Offensive um Sadio Mané, Nicolas Jackson und Ismaïla Sarr auf eine norwegische Abwehr mit Kristoffer Ajer und Torbjørn Heggem, die gegen den Irak nicht ohne Gegentor blieb. Das Personal für Treffer hat Senegal. Die Frage ist nur, ob die Mannschaft ihre Chancen diesmal nutzt, denn gegen Frankreich fehlte vorne die Genauigkeit.
Das Mittelfeld wird zum Hebel für beide Pläne. Ordnet Martin Ødegaard mit Sander Berge das norwegische Spiel, behält Norwegen den Ball; setzen sich Idrissa und Pape Gueye durch, bekommt Senegal seine Angriffe ins Rollen.
Norwegen - Senegal Wett-Tipp
Mein Tipp für dieses Spiel ist eine BTTS-Wette auf ein Tor von beiden Mannschaften. Norwegen hat zum Auftakt vier Tore erzielt, und das war keine Eintagsfliege. Haaland traf doppelt, Østigård steuerte einen weiteren Treffer bei, der xG-Wert von 2,52 belegt die Vielzahl an Chancen. Diese Offensive trifft jetzt auf eine senegalesische Abwehr, die gegen Frankreich gleich drei Gegentore kassierte. Dazu kommt der Zwang auf der Gegenseite: Weil Senegal gewinnen muss und aufrücken wird, öffnen sich vor Norwegens Angriff noch mehr Räume als ohnehin schon. Eine Mannschaft, die fast in jedem Spiel trifft, gegen eine Abwehr, die gerade erst dreimal überwunden wurde, das ist die stärkere Hälfte dieses Tipps.
Senegals Auftakt war eher schwach, der Kader ist es jedoch nicht. Mit Sadio Mané, Nicolas Jackson, Ismaïla Sarr und Iliman Ndiaye stehen Angreifer bereit, die jederzeit ein Tor machen können. Nach null Punkten aus dem ersten Spiel muss Senegal ins volle Risiko gehen und Norwegen unter Druck setzen, statt auf Konter zu lauern. Verwundbar ist die norwegische Abwehr ohnehin, denn schon der offensiv harmlose Irak schaffte einen Treffer. Rennt ein zum Siegen gezwungener Senegal mit dieser Offensivqualität an, ist ein eigenes Tor deutlich wahrscheinlicher, als es das blasse 1:3 gegen Frankreich vermuten lässt.
Fazit und Prognose zu Norwegen gegen Senegal
Bei Norwegen gegen Senegal trifft ein selbstbewusstes Team auf eine Mannschaft unter Zugzwang, und genau diese Mischung verspricht Tore. Norwegen wird seine Chancen suchen, Senegal muss nach vorne, weil eine zweite Niederlage das frühe Aus bedeuten würde. Als Prognose steht hier ein knapper Sieg Norwegens mit Treffern auf beiden Seiten, ein 2:1 wäre der typische Ausgang.
Im Spielverlauf dürfte Norwegen die Kontrolle übernehmen, während Senegal mit der Zeit mehr riskieren muss, weil ein Remis im Aufstiegsrennen wenig bringt. Das macht die Partie nach vorne offen, lädt Norwegens Angriff um Haaland aber auch zu Kontern ein. Ein Spiel mit mehreren Toren wirkt wahrscheinlicher als eine torarme Partie, und ein Ergebnis wie 2:1 für Norwegen passt am besten ins Bild.
