Belgien geht gegen Iran als klarer Favorit ins zweite Gruppenspiel der WM 2026, und trotzdem ist der Tipp auf dieses Spiel kniffliger, als die Rollen vermuten lassen. Im Auftakt kam Belgien gegen Ägypten nicht über ein 1:1 hinaus, und das eigene Tor fiel dazu noch etwas glücklich aus belgischer Sicht.
Auf der Gegenseite hat Iran beim 2:2 gegen Neuseeland zwei Gegentore gegen einen klaren Außenseiter kassiert. Damit liegen vor dem Spiel am 21. Juni zwei Fragen auf dem Tisch: Wie viel ist Belgiens Favoritenrolle nach diesem Auftritt noch wert, und wie hoch fällt der Sieg aus, wenn Iran hinten so anfällig bleibt? Die Antwort steckt in den beiden Auftaktspielen, nicht in der Tabelle, die alle vier Teams gleichauf zeigt.
Belgiens holpriger Start gegen Ägypten
Belgien ging als klarer Favorit ins Turnier und stand gegen Ägypten nach gut einer Stunde trotzdem vor einer Niederlage. Emam Ashour traf in der 19. Minute mit einem Schuss aus rund 20 Metern zur ägyptischen Führung, vorbereitet von Mohamed Salah. Lange sah es in Seattle nach dem ersten WM-Sieg der ägyptischen Mannschaft überhaupt aus. Rudi Garcia hatte Charles De Ketelaere als einzige Spitze aufgeboten, dahinter Kevin De Bruyne, Jérémy Doku und Leandro Trossard, doch gegen eine tief und diszipliniert stehende ägyptische Abwehr kam Belgien kaum zu klaren Gelegenheiten.
Der Ausgleich fiel nicht durch belgische Effizienz, sondern durch ein Eigentor. Garcia brachte in der 66. Minute Romelu Lukaku, und keine halbe Minute später fälschte Mohamed Hany eine Flanke von Thomas Meunier unhaltbar ins eigene Tor ab. Mehr kam vorne nicht zusammen.
Die nackte Ergebniszeile 1:1 sagt dabei nicht das Wichtigste. Aus dem Spiel heraus hat Belgien gegen Ägypten kein eigenes Tor erzielt, der einzige Treffer war ein Eigentor des Gegners. Für eine Mannschaft mit dieser Offensive ist das wenig, und es wirft die Frage auf, wie viel Durchschlagskraft wirklich da ist, sobald der Gegner kompakt verteidigt.
Wie kam Iran beim 2:2 gegen Neuseeland davon?
Iran startete gegen den klaren Außenseiter Neuseeland und musste am Ende mit einem Punkt zufrieden sein. Elijah Just, Stürmer beim schottischen Klub Motherwell, brachte Neuseeland in der 7. Minute in Führung und traf in der 54. Minute erneut zum 1:2. Zweimal lag Iran damit gegen eine Mannschaft hinten, die in der Weltrangliste auf Platz 82 steht, während Iran selbst auf Rang 23 geführt wird. Dass es trotzdem zum 2:2 reichte, lag an der Offensive: Ramin Rezaeian glich in der 32. Minute aus und legte in der 64. Minute die Hereingabe auf, die Mohammad Mohebi per Kopf verwertete. Mit Mehdi Taremi als Mittelstürmer und Rezaeian als auffälligstem Spieler war vorne genug Qualität da, um einen Rückstand zweimal zu reparieren.
Das eigentliche Problem steckt in der Abwehr. Beide Gegentore gingen auf das Konto desselben Spielers, und beide fielen gegen einen Gegner, den vor dem Turnier kaum jemand auf der Rechnung hatte.
Wer gegen Neuseelands überschaubare Offensive zweimal so leicht in Rückstand gerät, liefert einem Favoriten eine Steilvorlage. Belgien fehlten gegen Ägypten genau die Tore, die Iran hier verschenkt hat. Trifft die belgische Offensive auf diese Abwehr, sieht die Rechnung anders aus als gegen die tief stehenden Ägypter.
Welche Schlüsselspieler prägen Belgien und Iran?
Zwischen beiden Kadern liegt in der Breite ein deutlicher Unterschied, und der zeigt sich nicht nur in der Weltrangliste, wo Belgien auf Platz 8 und Iran auf Platz 20 steht. Belgien bietet eine Offensive auf, die in den stärksten Ligen Europas spielt, während Iran sein Spiel um wenige Schlüsselspieler herum aufbaut. Diese Verteilung entscheidet, von wem die Gefahr ausgeht.
Belgien: Offensive mit Topklasse und Fragezeichen beim Abschluss
Kevin De Bruyne führt das belgische Spiel als Kapitän und Taktgeber, auf den Flügeln sorgen Jérémy Doku und Leandro Trossard für Tempo und Dribblings. Gegen Ägypten begann Charles De Ketelaere als einzige Spitze, Romelu Lukaku kam erst nach gut einer Stunde von der Bank, obwohl er Belgiens Rekordtorschütze ist. Im Mittelfeld ordnen Youri Tielemans und Amadou Onana das Spiel, im Tor steht mit Thibaut Courtois ein erfahrener Rückhalt. Die individuelle Qualität in der Offensive ist also vorhanden. Was im Auftakt fehlte, war der zwingende letzte Ball im gegnerischen Strafraum, der aus Überlegenheit auch Tore macht.
Iran: kompakt und konterstark, hinten anfällig
Mehdi Taremi ist der Fixpunkt im iranischen Angriff, an ihm hängt ein großer Teil der Offensivlast. Unterstützung bekommt er von Mohammad Mohebi, der gegen Neuseeland traf und vor dem Turnier zweistellig für die Nationalmannschaft getroffen hatte, dazu von Ramin Rezaeian, der von der rechten Seite ein Tor erzielte und eines vorbereitete. Im Mittelfeld sorgen Saeid Ezatolahi und Saman Ghoddos für Stabilität, im Tor steht Alireza Beiranvand. Irans Stärke liegt in der Kompaktheit und in der Fähigkeit, nach einem Rückstand zurückzukommen, das hat der Auftakt gezeigt. Die Schwäche liegt ebenso offen: zwei Gegentore gegen einen Außenseiter, beide vom selben Mann.
Welcher Wett-Tipp passt für Belgien gegen Iran?
Mein Tipp für dieses Spiel lautet: Über 1,5 Tore von Belgien, also mindestens zwei eigene Treffer der Belgier. Auf den reinen Belgien-Sieg gibt es bei einer Quote von rund 1,42 kaum etwas zu holen, ein Iran-Sieg wird mit etwa 7,0 bis 8,0 gehandelt. Der eigentliche Wert liegt in den belgischen Toren, und dafür spricht fast alles.
Das Qualitätsgefälle ist der stärkste Punkt. Belgien steht als Nummer 8 der Welt einem Gegner gegenüber, der auf Rang 20 geführt wird, und bietet mit Kevin De Bruyne, Jérémy Doku, Leandro Trossard und Romelu Lukaku eine Offensive auf, die in den stärksten Ligen Europas spielt. Diese Offensive trifft auf eine iranische Abwehr, die im ersten Spiel ausgerechnet gegen Neuseeland, den klaren Außenseiter und mit Platz 86 das schwächste Team der Gruppe, schon zwei Gegentore zugelassen hat. Wenn eine Defensive gegen einen Außenseiter zweimal so leicht überwunden wird, ist gegen eine belgische Offensive dieser Einzelqualität eher mit mehr Toren zu rechnen als mit weniger.
Dazu kommt die Ausgangslage, die Belgien geradezu zur Offensive zwingt. Nach dem 1:1 zum Auftakt kann sich die Mannschaft kein zweites Remis erlauben, denn bei vier punktgleichen Teams entscheidet am Ende auch die Tordifferenz über das Weiterkommen. Belgien muss also nicht nur gewinnen, sondern möglichst deutlich, und wird entsprechend aufmachen und auf Tore drängen. Eine offensiver ausgerichtete belgische Elf gegen eine tief stehende, aber anfällige iranische Abwehr ist genau die Konstellation, in der zwei belgische Tore die wahrscheinlichste Variante sind.
Fazit und Spielprognose
Belgien geht als klarer Favorit in dieses Spiel, steht aber mehr unter Druck, als es die Rollenverteilung vermuten lässt. Nach dem 1:1 gegen Ägypten braucht die Mannschaft von Rudi Garcia ein deutliches Ergebnis, und sie trifft auf eine iranische Abwehr, die im Auftakt gezeigt hat, dass sie zu überwinden ist. Die individuelle Klasse spricht klar für Belgien, einzig die Abschlussschwäche aus dem ersten Spiel bleibt ein ernsthaftes Gegenargument.
Meine Prognose: Belgien gewinnt 3:1. Die individuelle Qualität setzt sich über 90 Minuten durch, Iran trifft wie schon gegen Neuseeland einmal, hält das Ergebnis aber nicht offen.
